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Prolog 

»Die Selbstfindung ist aus psychoanalytischer Sicht mit der Grunderfahrung des Geliebt- und Akzeptiertwerdens unverzichtbar verbunden«
Garlichs und Leutzinger-Bohleber, Identität und Bindung

Bevor sie dieses Buch kaufen, möchte ich Sie bitten, sich den Prolog zunächst vollständig durchzulesen. Es ist aus meiner Sicht immer wichtig, eine realistische Erwartungshaltung zu haben. Oder anders, keine Erwartung zu haben, aber eine zumindest klar umrissene Einschätzung, was in einem Buch auf den Lesenden wartet, was er finden wird und was nicht. Das schützt vor Enttäuschung und Frustration. Dieses Buch beschäftigt sich mit dem unangefochtenen Thema Nummer 1.
Beziehung.
Nein – halt!
Liebe!
Das Thema, das die Menschen seit jeher die meiste Energie, Zeit und einen Haufen Geld kostet sowie den größten Kummer bereitet.
Die Frage: »Was muss ich tun, um endlich den richtigen Partner zu finden?« begegnet mir seit inzwischen Jahrzehnten quasi allgegenwärtig. Eine einfache Frage für einen sehr umfänglichen Themenkomplex, wenn nicht gar der komplexeste schlechthin. Entsprechend können die Antworten auf diese Frage nicht einfach sein. Jeder Versuch, solche Antworten auf einfache Formeln herunter zu brechen, die man nur anwenden muss, um erfolgreich zu sein, muss in einer Ernüchterung enden.
Diese Frage wird vor allem in einer Art gestellt, die implizit wissen möchte, was die fragende Person richtig – oder besser – richtiger machen kann, um für den vermeintlichen Traumpartner unwiderstehlich zu werden. Davon ausgehend, dass es vor allem Glück und Väterchen Zufall sind, die uns nur gnädig sein müssen, damit wir endlich finden, was wir uns so sehr wünschen.
Das Versprechen, hier Abhilfe schaffen zu können, war seit jeher lukrativ für Heiratsvermittler und ist auch heute ein lohnendes Geschäftsmodell für Dating-Portale im Internet. Obwohl sich die Menschheit schon über einen beachtlichen Zeitraum hinweg mit dem Thema Partnerfindung herumschlägt, sind nachhaltige Fortschritte in der Gestaltung von Beziehungsglück nicht wirklich zu sehen und für mein Empfinden sogar immer seltener zu beobachten.
Es ist mir an dieser Stelle sehr wichtig, die Zielgruppe zu beschreiben, die ich hier ansprechen möchte. Dieses Buch richtet sich an die, die auf der Suche nach Antworten sind, die bereits für sich entdeckt haben, dass es so, wie bisher, nicht weitergeht und die zumindest offen sind, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Die Menschen, die für sich erkannt haben, dass sie etwas bei sich selbst ändern müssen, weil sich nur dann auch die allgemeine Situation verändern kann.
Jedem, der sich in den folgenden Aussagen wiederfindet:
• Ich habe keine Probleme
• Meine Probleme sind bereits gelöst – weil ich schon eine Therapie gemacht habe
• Dieses ganze Muster Aufarbeiten und sich mit sich selbst Beschäftigen halte ich für Unsinn
empfehle ich, das Buch jetzt wegzulegen und sich wichtigeren Dingen zu widmen. Das gleiche empfehle ich denjenigen, die reine Erfahrung für unseriös halten und glauben, etwas sei nur wahr bzw. glaubwürdig, wenn es wissenschaftlich bewiesen und durch eine akademische Reputation untermauert sei.
Dieses Buch richtet sich an all die Menschen, die in sich die tiefe Sehnsucht spüren, endlich ankommen zu wollen, aber den Weg nicht sehen, wie sie das bewerkstelligen können. Die nach diesem Weg suchen und auch bereit sind, hierfür zum Teil neue, zum Teil dem eigenen Wertesystem diametral gegenläufige Perspektiven zumindest soweit zuzulassen, um sich diese ansehen und dann für sich entscheiden zu können, ob sie annehmbar sind oder nicht.
Es ist mir wichtig zu betonen, dass ich nicht verändern und schon gar nicht bewerten will. Auch wenn ich gerne hier und da eine tendenziell radikale Position einnehme, um meiner Leserin bzw. meinem Leser die Möglichkeit zu bieten, die eigene zu überprüfen. Dass sich Menschen davon manchmal angegriffen fühlen, lässt sich nicht vermeiden. Auch wenn das ganz sicher nicht meine Absicht ist.
Inwieweit jemand meinen Weg oder einzelne, beschriebene Schritte für sich annimmt, bleibt ihr oder ihm selbst überlassen.
Dieses Buch richtet sich an jene, die in sich die tiefe Sehnsucht nach der einen, besonderen Erfahrung spüren. Einem Splitter gleich, der immer wieder daran erinnert, dass es sich so, wie es ist, nicht richtig anfühlt.
Es ist diese tief empfundene Sehnsucht nach der einen großen, echten Liebe, die die meisten Menschen unablässig vor sich hertreibt, sie nicht loslässt und sich in etlichen, verzweifelten Versuchen ausdrückt, es mit mehr oder weniger vielen Partnern zu probieren. Bei vielen vor allem Frauen lässt es oft das Gefühl des verbraucht Werdens, des sich selbst Benutzens zurück. Männer verstecken sich gerne hinter der Aussage, eine weitere Trophäe erobert zu haben. Doch auch sie fühlen sich insgeheim leer und nicht gesehen.
Genau das ist es, was wir uns wünschen: gesehen werden.
In dem einen Menschen gespiegelt zu bekommen, dass wir für sie bzw. ihn die eine besondere Begegnung sind. Nicht bloß eine Affäre oder ein so genannter Lebensabschnittsgefährte. Die eine Person, die wirklich unser Herz berührt und erobert, der wir völlig hilf- sowie wehrlos ausgeliefert sind und uns dabei sicher sein können, dass sie uns nie mit Absicht verletzen, sondern unser Gefühl und unsere Verletzlichkeit beschützen wird.
Aber der Weg dorthin erscheint vielen unmöglich – besonders, wenn sie bereits einige Erfahrungen gemacht haben und enttäuscht wurden. Nicht wenige arrangieren sich mit diesem Zustand, versuchen krampfhaft eine Beziehung aufrecht zu erhalten, in der sie augenscheinlich nicht glücklich sind. Oder sie parken sich in Unverbindlichkeit, indem sie von einer Situation in die nächste springen. Der oder die Richtige kommt ja doch nicht.
Die gute Nachricht ist: es gibt diese eine Person.
Was auf uns wartet, wenn wir sie finden, ist mit nichts zu vergleichen, was wir vorher erlebt haben. Eine Liebe die nichts mit bereits gemachten Erfahrungen zu tun hat, die tiefer geht, als wir es uns je hätten erträumen können. Eine Liebe, die auch verletzlicher macht, als wir je den Mut gehabt hätten, uns verletzen zu lassen, würden wir die Wahl gehabt haben. Eine Liebe, die nicht abnimmt, also weniger, sondern im Gegenteil immer stärker wird, je mehr wir das geliebte Wesen erleben und entdecken dürfen.
Es hat nur mit Zufall oder Glück nicht das Geringste zu tun, ob wir diese Liebe finden, ihr begegnen dürfen. Es hat vielmehr damit zu tun, ob wir bereit für sie sind, bereit dafür, zunächst Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und so sehr emotional zu wachsen, dass sie sich uns zeigt.
Rückmeldungen auf mein Buch haben eine Frage immer wieder an mich heran getragen: ist das nicht zu viel des Guten? Beschreibe ich hier nicht ein Ideal, das nicht realistisch erreichbar, nicht eher demotivierend, weil so hoch aufgehängt ist? Dazu fallen mir folgende Zitate ein: »Wir müssen an Wunder glauben, damit sie Realität werden können.« Oder: »Wir müssen das Unmögliche wagen, um das Mögliche echt werden zu lassen.«
Nach reiflichem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen, das Buch so sein zu lassen, wie es ist und dem Leser zu vertrauen, ob und in welchem Maß er es zulässt. Der Anspruch ist hoch. Ja. Aber wir haben nur ein Leben. Ist das nicht Grund genug, es zumindest zu versuchen?
Aber durch die Auseinandersetzung mit diesem Buch zeigen Sie sich selbst immerhin, dass Sie bereit sind, sich diesen Weg zumindest anzusehen. Und darauf können Sie in der Tat sehr stolz sein. Es erfordert viel Mut, sich diese Themen zunächst nur anzuschauen. Noch mehr Mut verlangt es, sich dann selbst zu begegnen und den eigenen Mustern zu stellen. Das ist nämlich zwingend erforderlich, wenn wir neue Erfahrungen machen und die echte Liebe erleben möchten. Auch wenn ich mit diesem Buch nur einen Weg anbieten kann. Gehen muss ihn jeder für sich selbst.
Oder um es mit einem Zitat aus dem Film Matrix auszudrücken: »There is a difference between knowing the path and walking the path.« (Übersetzung: Es ist ein Unterschied einen Weg zu kennen und ihn zu gehen)
Ich bin diesen Weg gegangen und gehe ihn nach wie vor. Seit fast 22 Jahren. Ich kann behaupten, dass er funktioniert. Was ich nie behaupten würde ist, dass es der einzig richtige Weg ist. Vor einem Trugschluss möchte ich allerdings in diesem Zusammenhang warnen: dass es damit getan ist, dieses Buch zu lesen und intellektuell zu verstehen. Die eigenen Themen müssen aufgearbeitet, die Muster aufgelöst und ein emotionales Wachstum in Gang gebracht werden. Mir ist kein anderer Weg bekannt.
Was dieses Buch sehr klar nicht ist: ein Ratgeber, wie ich in fünf Schritten meinen Traumpartner finde.
Welche Kleidung, welches Parfüm, welches Auto ich mir zulegen muss, um mich endlich für Mrs. oder Mr. Right zu qualifizieren. Noch weniger ist es ein Ratgeber, wie ich einen Partner erziehen und manipulieren muss, um ihn zu dem zu machen, was er für mich sein soll.
Wer einen solchen Ratgeber sucht, wird in diesem Buch nicht fündig werden.
Wer einfache Antworten auf den komplexesten, mir bekannten Themenbereich geboten bekommen möchte, wird sie ebenfalls nicht auf den folgenden Seiten finden. Von der Bürde, sich mit sich selbst auseinandersetzen und sich aufrichtig begegnen zu müssen, kann ich niemanden bewahren.
Veränderungen können wir immer nur selbst in Gang bringen – sie beginnen mit einer Entscheidung.
Zum Beispiel mit der Entscheidung, sich diesem Buch zu stellen und die in ihm enthaltenen Impulse in Erwägung zu ziehen, sie vielleicht sogar anzunehmen. Aber auch mit der Entscheidung, die eigenen Themen anzuschauen, statt vor ihnen davonzulaufen oder sich ihnen weiterhin ausgeliefert zu fühlen. Also die gängigen Verhaltensformen, die heute im Umgang mit den eigenen Mustern sichtbar sind, nicht selten begleitet von dem Irrglauben, sie ließen sich nicht ändern und wir seien machtlos dagegen.
Sind wir nicht.
Wir haben die Wahl.
Nach unzähligen Gesprächen und Einzelcoachings, in denen ich immer wieder dieselben Aussagen und Fragen wiederholt habe – oft fühlte ich mich wie eine kaputte Schallplatte –, entwickelte es sich zu einer logischen Konsequenz, ein Buch zu schreiben und die Summe meiner Erfahrungen, aber vor allem den Inhalt dieser Dialoge auch anderen anzubieten.
Dieses Buch soll als Hilfestellung dienen, die eigenen Ursachen zu verstehen und im Idealfall auflösen zu können. Aber es wird auch fundamentale Sichtweisen zumindest infrage stellen, vielleicht sogar über den Haufen werfen. Wobei die eigentliche Erkenntnis, die den folgenden Seiten zu Grunde liegt, alles andere als neu ist. Sie wurde der Überlieferung nach durch die Bibel bereits von Jesus vor über 2000 Jahren formuliert.
»Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst
Ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich den Satz zitiert und darauf hingewiesen habe, dass die Grundlage für echte Liebe, die aufrichtige Selbstliebe ist. Oft wurde mir dann ein »Ach so – na das versteht sich ja von selbst.« geantwortet. Wenn ich dann hinterfragte, ob sich die so antwortende Person aufrichtig selbst liebt, gab es einige, die das von sich behaupteten. Wenn auch deutlich weniger, als die, die mir zuvor diese Antwort gaben. Wenn ich dann bei denen, die behaupteten, sich aufrichtig zu lieben, weiter fragte, gab es bislang exakt zwei Personen, die sich wirklich in der Selbstliebe erleben durften.
Das ist nicht sonderlich verwunderlich, wie wir im weiteren Verlauf des Buches noch im Detail sehen werden. Wir alle werden betont nicht in die Selbstliebe geführt. Vielmehr ist unser Kulturkreis ein Garant für das genaue Gegenteil.
Die Anfänge dieses Buches sind in meiner letzten Partnerschaft entstanden, in der wir für eine Weile der Meinung waren, wir hätten es geschafft, hätten die echte Liebe im anderen gefunden. Wie ich dann feststellen durfte, war diese Beziehung zwar eine absolute Bilderbuchbeziehung, im Vergleich zu allem, was ich selbst erlebt und bei anderen beobachtet hatte. Sie hatte in der Tat Vorzeige- bzw. Beispielcharakter und hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass es so etwas tatsächlich geben kann. Ein aufrichtiges, liebevolles Miteinander. Gnadenlos ehrliches sich gegenseitig Spiegeln, ohne sich zu verletzen. Gemeinsam wachsen und sich gegenseitig in diesem Prozess unterstützen. Aber sie hat mir auch gezeigt, dass selbst eine solch vermeintliche Idealsituation auf einer Projektion basieren und scheitern kann.
Nicht zuletzt diese Erfahrung, wie auch andere selbst gemachte, liefert eine wesentliche Grundlage für die folgenden Seiten. Ich wünsche mir von Herzen, dass sie dem Lesenden ein Impuls für den Weg in die wahre Selbstliebe sind. Denn wenn wir anfangen, uns selbst und in der Konsequenz auch andere zu lieben, haben wir eine realistische Chance, wirklich glücklich zu werden.
Ach, und eines noch: aus meiner Erfahrung macht es Sinn, dieses Buch mehr als einmal, mit zeitlichem Abstand zu lesen, da es Aussagen enthält, die erst bei dem Vorhandensein innerer Bereitschaft ankommen. Ist diese Bereitschaft noch nicht vorhanden, werden sie ausgefiltert. Ein natürlicher Mechanismus. Ob diese Empfehlung von Ihnen angenommen wird, bleibt Ihnen natürlich uneingeschränkt überlassen.