Ungehört Verlag Ökolution 4.0 - Buch Die aktuellen ökonomischen und ökologischen Krisen zwingen uns zu einer grundlegenden Zäsur unseres .. Product #: buch02 based on 1 reviews Regular price: 23,32€ 23,32€

Ökolution 4.0 - Buch

Hersteller: Ungehört Verlag
Stichworte: buch , ökolution

Preis: 24,95€

 

Das Glücks- und Heilsversprechen materieller Wohlstandsmehrung entpuppt sich mit jedem Tag ein Stück mehr als der Strick, an dem unsere hoch gepriesene Zivilisation bereits baumelt. Ein Strick, der sich mit jeder Katastrophe und jeder Kriegsprovokation stetig weiter zuzieht.

Die Welt, die wir uns jeden Tag schaffen und die uns mit ihrer Komplexität zunehmend überfordert, ist dabei nicht ein großes Missverständnis oder das Ergebnis einer Reihe unglücklicher Zufälle. Sie ist das Ergebnis einer auf Anpassung, auf emotionale und mentale Standardisierung ausgerichteten Gesellschaft, die im Ganzen immer kranker wird.

Auch die, die heute davon zu profitieren glauben, müssen morgen erkennen, dass sie zu den ganz großen Verlierern gehören. Ob wir es als Menschheit schaffen werden, auf die Herausforderungen der Zukunft besser zu antworten, als wir es in der Vergangenheit getan haben, wird darüber entscheiden, ob das 21. Jahrhundert eine echte Weiterentwicklung oder der Untergang unserer Zivilisation sein wird.

Wir haben die Wahl.

 

Dieses Buch wurde auf reinem Recycling-Papier und mit den earth colors gedruckt. Farben, die rein auf Erd- und Eisenbasis hergestellt wurden. Sie sind biologisch abbau- und kompositerbar. Der gesamte Durckprozess verzichtet hierbei auf petrochemische Zusätze. 100% konsequent!

Prolog

"Der "Fortschritt" ist bloß eine moderne Idee, das heißt eine falsche Idee." Friedrich Nietzsche, Der Antichrist

Vier einschneidende Ereignisse der jüngeren Zeit haben unsere Realität so nachhaltig geprägt, wie zuvor vielleicht noch der zweite Weltkrieg: Die Ereignisse rund um den 11. September 2001, die Weltwirtschaftskrise der Jahre 2008/2009, die Enthüllungen durch WikiLeaks und die unsägliche Multikatastrophe im japanischen Fukushima. Diese Ereignisse zwingen zu einer grundsätzlichen Zäsur unserer industrialisierten Zivilisation. Jeder, der sich heute mit der Zukunft und der eigenen Positionierung in Bezug auf das Mysterium Morgen beschäftigt, kommt nicht umhin Entscheidungen zu treffen. Entscheidungen, die sich von denen vor den vier genannten Ereignissen grundlegend unterscheiden müssen. Entscheidungen, die dem Umstand Rechnung tragen, dass wir Kenntnisse von Vorgängen haben, die viele bis zum 10. September 2001 wohl nicht für möglich hielten. Sie scheinen das Gute in der Entwicklung des Menschen und die Gesellschaft, die wir uns jeden Tag gemeinsam, aber vor allem gegeneinander gestalten, generell infrage zu stellen. Wir müssen also erkennen, dass die Denker, die uns voraus gegangen sind und Gesetzmäßigkeiten zumindest zu formulieren in der Lage waren, damit nicht viel erreicht haben. Die Taten, die diesen Denkern folgten und seither jeden Tag folgen, lassen wirklich verbessernde Aktionen schmerzlich vermissen. Wenn Nietzsche den Fortschritt als moderne und falsche Idee bezeichnete, dann ganz sicher weil er gesehen hat, welche Auswirkungen der Technisierung unserer Welt bereits in seiner Zeit sichtbar waren. Anstatt diese Entwicklung zu korrigieren, haben wir sie durch die Einläutung der Industrialisierung nur beschleunigt und intensiviert.

Radikale und populäre Aufklärer wie Nietzsche oder Marx haben mit ihren eindringlichen und leidenschaftlichen Postulaten zwar ganz sicher das ein oder andere Gemüt erhitzt und der rebellischen Ader von so manchem Nahrung geliefert. Aber eine Veränderung, die zu einer positiveren Lebensweise in unserem abendländischen Kulturkreis geführt hätte, hat sich daraus nicht ergeben. Mit seiner Behauptung, Fortschritt sei eine falsche Idee, stellt Nietzsche nur fest, dass wir bei aller fortschreitenden Technokratisierung uns als Spezies tatsächlich nur wenig entwickelt haben. Es lässt uns eben nicht entwickelter sein, das neueste Auto, Notebook oder Mobiltelefon zu besitzen und zu benutzen. Es täuscht allenfalls den ein oder anderen kurzzeitig darüber hinweg, dass die Menschheit zunehmend mental sowie emotional verarmt und sich jeden Tag beweisen muss, wie hilflos und unfähig sie den eigentlichen Herausforderungen des Alltags gegenüber steht. Vor allem aber ist es dieser Menschheit, die sich selbst gerne im hellen Licht der Zivilisiertheit sieht, nicht gelungen einen Modus zu entwickeln, in dem sie kooperativ und friedlich mit einander leben kann. Im Gegenteil, die Technisierung perfektioniert in immer stärkerem Maße die Ausbeutung von Mensch und Natur.

Das muss uns nicht verwundern, ist doch der Fortschrittswille während der letzten beiden Jahrhunderte geradezu aggressiv expandiert und hat uns insbesondere durch die militärische Forschung viele technische Errungenschaften beschert. Wagen wir einen Blick zurück. Die Menschheit hat – was die Ausbeutung natürlicher Ressourcen beziehungsweise deren rücksichtslosen Verbrauch betrifft – in den letzten rund 10.000 Jahren eine immer steiler ansteigende, letztlich eine Exponenzialkurve beschreibende Entwicklung gezeichnet. Diese Entwicklung hat sich der Mensch selbst mit der Entscheidung aufgezwungen, sesshaft zu werden und damit ein Lebenskonzept zu etablieren, das sich seither in seinem Prinzip nicht mehr verändert hat: Der Besitz.

Schnell definierten die Eigentümer die inhärente Regel, dass viel Besitz gut und geringer Besitz schlecht sei. Die Konsequenz hieraus lautet, dass man anderen möglichst viel wegnehmen und vorenthalten muss, um selbst mehr zu haben und folglich angesehener, besser oder mächtiger zu sein. Solche Sichtweisen mögen in der Zeit, in der sie entstanden sind, noch einigermaßen plausibel nachvollziehbar gewesen sein. Nur hat sich dieses Paradigma nie mehr verändert. Vielmehr haben die Aufklärung und ihre philosophischen Vertreter – allen voran René Déscartes – dieser Entwicklung nach anfänglicher Zurückhaltung einen gewaltigen Schub verpasst, dessen Geschwindigkeit seither immer rasanter zunahm. Die Maxime "Ich denke, also bin ich." (Cogito ergo sum) war, in einer vor allem durch traditionellen Glauben und religiöse Unterdrückung geprägten Ära, ganz sicher ein mutiger und im zeitlichen Kontext revolutionärer Gedanke. Die Grundidee, dass unsere Welt nicht eine von Gott geschaffene ist und unser Heil nicht darin liegen muss, den selbst ernannten Gottesvertretern auf Erden bedingungslos und unterwürfig zu folgen, waren erschütternd und gefährdeten die etablierten Machtstrukturen. Nicht umsonst wurden Déscartes Schriften vom Vatikan auf den Index Librorum Prohibitorum gesetzt. Er selbst soll, unbestätigten Hypothesen zufolge, von einem Mönch mit Arsen vergiftet worden sein, bevor er seine Theorien der zum katholischen Glauben tendierenden Königin von Schweden darlegen konnte, die gerade im Begriff war zu konvertieren.

Es bedarf auch keines Beweises, denn oft genug hatten Herrscher, seien es religiöse oder politische, wenig Skrupel bei der Beseiti-gung von Gegnern, die ihre Lügen aufzudecken drohten. In vergangenen Zeiten konnten sie dies tun, ohne eine Weltöffentlichkeit zu behelligen. Heute müssen sie sich vieler taktisch kluger Manöver bedienen. Ihr Ziel, Selbstherrlichkeit und Macht zu erhalten, erreichen sie in der Regel trotzdem – spätestens seit der medialen Übermacht mit einem geradezu fantastischen Arsenal an Möglichkeiten. Seinerzeit war die Idee, Körper und Geist seien getrennt und die Vernunft stünde über Allem, phänomenal. Sie hat seither viele Denker und Wissenschaftler inspiriert, an diesem Modell weiter zu arbeiten.

Die kategorische Ablehnung des säkularisierten Begriffs Seele hat hierbei eine sehr gefährliche Eigendynamik entwickelt, die sich heute mit mehr Energie entfaltet, als je zuvor. Leider hat sich die Wissenschaft bis heute zu großen Teilen noch immer nicht aus diesem kartesianischen Weltbild emanzipiert und folgt weiterhin artig seinem Diktum. Viele sind noch heute nicht bereit, dieses Weltbild auch nur zu reflektieren und kritisch in Frage zu stellen. Hat nicht Isaac Newton das Ursache-Wirkung-Prinzip und das Gesetz der Gravitation ein für alle Mal einbetoniert?

Diese Betrachtungsweise, die durchaus nicht frei von Widersprüchen und Zweifeln in den Reihen der Wissenschaftler war und ist, hat Mensch und Natur mechanisiert – zu hochkomplexen Maschinen degradiert. Doch damit nicht genug – sie hat den Menschen endgültig von der Natur getrennt. Die Konsequenz hieraus ist, dass seither zunehmend sowohl der Mensch als auch die Natur instrumentalisiert und deren Bedürfnisse hinter eine Vernunft gestellt wurden, die sich im weiteren Verlauf der Geschichte immer rücksichtsloser kultiviert und uns heute an den Rand des Untergangs geführt hat. Eine mechanische und somit lebensverachtende Sicht der Welt machte eine industrielle Revolution überhaupt erst möglich. Denn vorher hat es ebenfalls Entdecker großen Formats, wie einen Leonardo da Vinci gegeben. Seine Entwürfe und Erfindungen inspirieren noch heute Ingenieure. Aber in seiner Zeit waren die Menschen nicht bereit eine Industrialisierung zu unterstützen. Denn das wäre Ketzerei gewesen, die sie mehr fürchteten, als die Armut, in der sie lebten. Erst mit Aufhebung dieser klerikal bedingten mentalen Gefangenschaft konnte die ihr folgende, explosionsartige Befreiung die effizienteste Ausbeutungswelle aller Zeiten gegenüber der Natur und ihren Ressourcen, aber auch des Menschen selbst auslösen.

Es war ein wichtiger Schritt, die religiösen Ketten zunächst in gewissem Umfang und dann später auf breiter Ebene zu sprengen. Aber es ist nicht minder wichtig, sich nun endlich von der kartesianischen Sicht der Welt zu befreien, um Werten, die schon einige Male von wenigen, mutigen Vertretern der Geschichte in die Waagschale geworfen wurden, den Einfluss zu geben, den sie schon immer verdient gehabt hätten. Bislang konnte sich das herrschende Paradigma behaupten. Auch wenn es heute durch ein Geflecht guter Manieren und vermeintlicher Nächstenliebe zum Teil gut getarnt ist. Die Kriege zumindest innerhalb Europas und den USA haben sich auf die Wirtschaft verlagert und werden nur selten mit offener Gewalt ausgefochten. Das darf aber nicht davon ablenken, dass sie stattfinden – jeden Tag. Die Börsen sind nicht weniger Kriegsschauplatz als die modernen Kolonialisierungsfeldzüge im Namen der Freiheit und der Demokratie.

Es ist qualitativ unerheblich, ob ein chinesischer Konzern gigantische Flächen fruchtbaren Agrargebietes in einem Teil Afrikas kauft, in dem die Menschen hungern, deutsche Konzerne Metalle in einem anderen Teil der Welt abbauen lassen oder die USA in den Irak einmarschieren. In jedem dieser Fälle handelt es sich um eine eigene Form des Krieges und der Aneignung. In welcher Form dafür Geld gezahlt wird, spielt allenfalls noch für das öffentliche Image der jeweiligen Aktion eine Rolle. Inhaltlich passiert etwas sehr vergleichbares. Die Globalisierung ist die ultimative Legitimation Menschen an allen Enden der Welt effizient auszubeuten – im Namen der Menschlichkeit. Kräfte und Bestrebungen, andere Wege zu gehen, in Einklang mit Natur und Umwelt zu leben, blieben dagegen bislang auf der Strecke und wurden, beziehungsweise werden mit allen Kräften bekämpft.

Die amerikanischen Ureinwohner oder der Urstamm Feuerlands sind nur ein Beispielspaar. Kooperative Grundhaltungen wurden systematisch und sehr effizient ausgelöscht. Wenn auch nicht völlig, wie wir im späteren Verlauf des Buches noch sehen werden. Ein altes Indianer-Sprichwort sagt sehr klar, was wir – der moderne Mensch –, so penetrant leugnen: "Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluß vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr feststellen, daß man Geld nicht essen kann!" Der Fortschritt, dessen sich die Menschheit so gerne rühmt, ist vor allem eine Technokratisierung, bei der nicht zuletzt sie selbst zu einem Opfer wird.

Die verschiedenen Völker dieser Menschheit versuchen hierbei, sich gegenseitig den schwarzen Peter zuzustecken und sich jeweils selbst weniger, dafür andere mehr Opfer sein zu lassen. Wobei innerhalb der Völker keineswegs Einigkeit herrscht. Etwas, das diesem Wort entspricht, findet sich vor allem, wenn es gemeinsam gegen einen anderen Feind geht. In den Debatten um Klimaziele und der Bekämpfung globaler Armut wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Menschheit dies oder jenes tun müsse, um erfolgreicher sein zu können. In den meisten naturwissenschaftlichen Arbeiten wird immer wieder gebetsmühlenartig behauptet, dass nur diese oder jene Gesetze endlich richtig angepasst und Subventionen gezielt in bestimmte Bereiche geleitet werden müssten, um Fortschritte zum Wohle aller zu erzielen.

Gremien, die dafür sorgen, alles im besten Sinne aller zu regulieren werden immer wieder gefordert. Dabei gibt es die Menschheit gar nicht. Es hat sie nie gegeben und es gibt sie mit steigender Bevölkerungsdichte weltweit immer weniger. Es gibt ungefähr sieben Milliarden Individuen, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, für sich selbst das größte Stück vom Kuchen zu bekommen. Und wenn dabei eine, zehn oder hundert Millionen andere verhungern müssen, ist das ganz sicher traurig, aber eben nicht zu ändern. Hat nicht schon Darwin postuliert, dass nur der Stärkste gewinnen kann? Das heißt aber auch, dass die anderen, vermeintlich Schwächeren verlieren müssen. Wer sich die politischen Zustände der meisten Regionen unserer Erde ansieht, sieht sofort auf einen Blick, dass es schier unmöglich erscheint, hier so etwas wie Einigkeit zu erzeugen. Dazu müsste diese Menschheit etwas lernen, wozu sie in keiner Weise bereit ist – sie müsste lernen einen halben Schritt zurück zu gehen und sich selbst in Frage zu stellen.

Warum dieses Buch?

"Die, die ein ungeeignetes Verhaltensprogramm besitzen, müssen früher oder später aussterben, wenn es ihnen oder ihren Nachkommen nicht gelingt, ihr Verhalten an die veränderten Bedin-gungen anzupassen." Gerald Hüther, Biologie der Angst

Dieses Buch ist aus dem Anspruch heraus entstanden, praxistaugliche Konzepte zur Bewältigung gegenwärtiger ökologischer und ökonomischer Herausforderungen zu liefern. Alle vorgestellten Ansätze und Konzepte nehmen bei jeder Betrachtung BIO-ethische sowie humanistische Faktoren in den Blick. Sie sind das Ergebnis meiner mehr als zehnjährigen Erfahrung in der Unternehmensberatung und der nicht zuletzt im Zuge ökologischer und ökonomischer Krisen wachsenden Überzeugung, dass die Zeit lange überfällig ist, dem Debattieren über tragfähige Zukunftslösungen endlich Taten an die Seite zu stellen. Die Anschübe zur Verwirklichung zukunfts-sichernder Konzepte sind jedoch zumeist nicht von jenen zu erwarten, von denen wir es uns am ehesten erhoffen – den politischen Vertretern der Erdenbürger. Wir gehen darauf noch detailliert ein. Es geht in diesem Buch betont nicht um Verschwörungstheorien oder andere utopische Beschrei-bungen. Die vorgestellten Lösungen sind vor allem pragmatischer Natur. Ernst Ullrich von Weizsäcker schrieb mit seinen Co-Autoren in dem Buch Faktor Fünf: „Die grundlegende Prämisse von Faktor Vier und Faktor Fünf ist, dass die Menschen nicht Treibstoff oder Autos wollen, nicht Kilowattstunden oder Kohlekraftwerke, nicht Elektronen oder Glühbirnen, nicht Blechbüchsen oder Aludosen, sondern die »Dienstleistung«, die diese Dinge bieten: Mobilität, Energie, Licht oder die Möglichkeit zur Lagerung von Nahrungs-mitteln und Getränken.“

Dieser Prämisse widerspricht die hier vorgestellte Argumentation grundlegend. Wäre es so, dass Menschen nur die reine Dienst-leistung wollten, würden die Autos nicht immer größer und treibstoff-hungriger und auch die übrige Gigantomanie nicht immer entgrenzter werden. Wir müssen die Gründe hierfür verstehen und die Gründe für diese Gründe, wenn wir etwas verändern wollen. Eine Ahnung, in welche Richtung diese Gründe gehen, liefert die Anzeige zum Bewerben des Mercedes C-Klasse Coupé. Mit dem Slogan “Mehr Blicke pro Stunde“ wird klar, welche Funktion ein Auto erfüllt. Es soll besonders den (Selbst-)Wert des Fahrers steigern, seine Attraktivität – ein Leichtes bei Menschen, denen ihr Selbstwertgefühl systematisch ausgetrieben wurde. Mit der Dienstleistung Mobilität haben solche Gründe nicht das Geringste zu tun. Ginge es um diese Dienstleistung, ist ein Fahrrad besonders in Großstädten oftmals deutlich intelligenter.

Es ist ein gängiges Manko naturwissenschaftlicher und poli-tischer Betrachtungen, die Gegebenheiten unseres Alltages als eine Art unverschuldetes Missverständnis hinzustellen, das nur aufgeklärt und mit faktisch richtigeren Ansätzen korrigiert werden muss. Aber eine der Kernaussagen dieses Buches ist, dass es sich bei diesen Gegebenheiten um die logische Konsequenz unseres Anpassungsprozesses handelt. Jenes Anpassungsprozesses, mit dem wir zementgleich das Fundament unseres industrialisierten Kulturkreises gegossen haben. Das Buch ist nicht zuletzt das Ergebnis eines sich seit Jahren optimierenden Erkenntnisprozesses, der viele Antworten auf Fragen hervor gebracht hat, die heute immer mehr Menschen zu stellen bereit sind. Wie sollen wir die Herausforderungen unserer nahen und mittelfristigen Zukunft meistern? Wir müssen heute einsehen, dass die Folgen unseres Tuns nicht mehr bloß hypothetische Konstruktionen sind, die sich irgendwelche unheilsprophetischen Wissenschaftler in ihrem Kopf ausgedacht und durch mehr oder minder stichhaltiges Theoretisieren bewiesen haben – wir können heute die Auswirkungen sehen, fühlen und messen. Doch wie können wir diese Zustände ändern, ohne auf das wirtschaftliche Niveau unserer antiken Vorfahren zurückzugehen?

"Man muss die Herstellungsprozesse aller Waren ökologisch verstehen und optimieren, denn wenn der Endverbraucher das Produkt kauft, sind schon 80-90% der ökologischen Schäden und Lasten eingetreten." gibt von Weizsäcker in Faktor Fünf seinerseits aus dem Buch Öko-Kapitalismus wider. "...Ressourcenproduktivität muss zum Leitmotiv unserer Zeit werden. Und da davon auszugehen ist, dass Länder, die die Produktivität der knappen Ressourcen erhöhen, bedeutende Konkurrenzvorteile gegenüber denen erwerben, die diese Knappheit ignorieren, sollte die Notwendigkeit eines neuen technologischen Zyklus und einer neuen Orientierung nicht nur für die Weltwirtschaft und für Volkswirtschaften, sondern ebenso für individuelle Unternehmen ersichtlich sein.“, konstatiert von Weizsäcker weiter.

Beim Aufbau eines Verlages, dessen ausdrückliche Prämisse es ist, fachlich wichtige Inhalte auf das Medium Hörbuch zu transportieren, kombiniert mit einer so umweltfreundlichen Herstellung dieser Hörbücher, wie irgend möglich, wurde eines schnell klar. Wer heute wirklich konsequent nachhaltig leben, arbeiten und herstellen will, ist noch immer ein Pionier. Jeder einzelne Schritt in diesem Prozess war ein Schritt auf Neuland. Aber das eröffnete, neben der vielen Arbeit, die hierdurch unvermeidlich anfällt, auch enorme Freiräume für Kreativität. Kompetente Beratung bei der Umsetzung solcher Anforderungen ist hingegen sehr rar.

Dabei ist gute Beratung dringend vonnöten. Die immer klarer zutage tretenden Veränderungen der Umwelt und des Klimas durch den Menschen stellen die Herausforderungen unserer Zukunft und der Zukunft unserer Kinder dar, denen wir uns heute stellen müssen. Nur wenn wir diese ernst nehmen und uns mit pragmatischen Konzepten für morgen positionieren, unser Verhalten also den veränderten Bedingungen anpassen, wird die Spezies Mensch überleben können. Es geht um eine konsequent ganzheitliche Sicht, die Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellt. Die Potenziale, die sich hieraus ergeben können, sind gewaltig.

Es ist nicht mehr weg zu diskutieren, dass das missverstandene Darwinsche Postulat des "Survival of the fittest" kaum mit dem Ruf nach Stärke und Macht, Ausbeutung und Zerstörung beantwortet werden kann. Auch wenn das nach wie vor bei jeder Gelegenheit versucht wird und immer scheitert. Dieses veraltete, noch immer sehr präsente Verständnis von der Überlegenheit des Stärkeren hat uns an einen Punkt menschlicher Geschichte gebracht, der nur noch die Alternative des Umdenkens offen lässt. Wir sind bereits in dem Prozess, unsere Lebensstandards nicht mehr aufrechterhalten zu können, auch wenn sich noch viele gegen diese Tatsache wehren. Aber diese Welt ist endlich und erschöpflich. Meinhard Miegel beschreibt in seinem Buch EXIT – Wohlstand ohne Wachstum, wie sehr wir bereits von der Substanz leben "und uns dabei verhalten, wie Alkoholiker an der Flasche oder Drogensüchtige an der Nadel". Wer sich Reaktionen auf die letzte Weltwirtschaftskrise ansieht, erkennt schnell, wie Recht er hatte.

Alle, Politik und Wirtschaft, verhalten sich wie Junkies, denen es nur noch um den nächsten Schuss geht. Die unsägliche Vorgehensweise, mit der in Deutschland die Laufzeitverlängerungen 2010 an jeder demokratischen Instanz vorbei geprügelt wurden, spricht hier eine mehr als deutliche Sprache. Die Menschheit verhält sich wie ein Krebsgeschwür, das seinen Wirt zunächst aufzehrt und wenn der Wirt stirbt, mit sterben wird. Wer weiterhin daran festhält, dass die ökologischen und ökonomischen Verhält-nisse, so wie sie sind, gut seien und aus diesem Grund auf jeden Fall beibe-halten werden müssten, entlarvt sich selbst als einen dieser beschriebenen Junkies, denen es nur noch auf den nächsten Schuss ankommt. Die Zeit für solche Eskapaden ist abgelaufen. Die sogenannten Klimagipfel, wie auch die überwiegenden Reaktionen auf die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, zeigen mehr als deutlich, dass politische Lösungen nicht zu erwarten sind.

Zwar führte dieses Ereignis und die Bürgerproteste, die ihm folgten, in Deutschland zu dem, was als Atomkonsens bezeichnet wurde, aber die Taten haben überdeutlich gezeigt, wie glaubwürdig solche verbalen Zugeständnisse wirklich sind. Es wird sich zeigen mit welchen Mitteln Regierung und Industrie diesen Beschluss wieder rückwirkend sabotieren werden. Durch die vor Fukushima und den diesem Ereignis folgenden Landtagswahlen haben dieselben Politikvertreter jedes Vertrauen in ihre eigene Person in mühsamer Kleinarbeit unmöglich gemacht. Von einer klaren Haltung, keine Spur. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man die zwei Ursprungsbegriffe näher betrachtet, die der Politik und der Diplomatie zugrunde liegen.

Das griechische Wort Politeia beschreibt das große Ganze und impliziert damit, wie Meinhard Miegel es so treffend zusammengefasst hat, das Zusammenwirken mündiger Bürger eines Staates. Das bedingt aber eben den mündigen Bürger, der heute nicht unbedingt oft zu finden ist. Gab es Ende der 1960er Jahre eine Bewegung der Individualisierung und des Wunsches, stärker Verantwortung zu übernehmen, das Weltgeschehen positiv zu beeinflussen, so wurden diese Bemühungen nicht zuletzt durch die Bekämpfung terroristischer Gruppen (in Deutschland die RAF) gezielt eingedämmt. Der tragische Nebeneffekt bei der Verfolgung autonomer beziehungsweise extremistischer Personen oder Gruppen ist, dass Institutionen wie die Polizei zwar zum einen den Schutz des Volkes garantieren, sich zum anderen aber auch dazu instrumentalisieren lassen solche Bürger zur Anpassung aufzurufen beziehungsweise zu prügeln, die als harmlose Freidenker aus Versehen ins Fahndungsraster geraten. Wenn bei bürgerlichen Protestkundgebungen, wie sie gegen Stuttgart 21 oder wiederholt gegen die Atompolitik stattfanden, friedlich demonstrierende Menschen mit Tränengas oder Wasserwerfern zurückgedrängt oder gar mit Knüppeln zum Aufgeben gezwungen werden, dann hat sich seit den Studentenunruhen nichts verändert.

Politische (Fehl-)Entscheidungen sollen hier von Polizisten korrigiert werden, die damit ungefragt zu Handlangern politischer und wirtschaftlicher Interessen werden. Und das in einer Demokratie, in dessen Grundgesetz als erster Artikel zu lesen ist „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Den unmittelbaren Effekt dieses Vorgehens beschreibt der Grünen-Bundesvorsitzende Özdemir während der Stuttgart 21 Debatte in Richtung der verantwortlichen Politiker mit den Worten: "Sie entfremden eine ganze Generation von der Demokratie". Das gilt im besonderen Maße für Özdemir und seine Partei, die eine mehr als zweifelhafte Metamorphose vollzogen hat, nachdem sie vom Fahrtwind der Macht gestreift wurde.

Demokratie als ein Konzept gewählter Volksvertretung war ursprünglich für einen griechischen Stadtstaat ausgelegt, der maximal 30.000 Einwohner zählte. Platon hat sehr trefflich gesagt, dass eine Stadt nicht größer sein sollte, als dass sie ein gesunder Mann innerhalb eines Tages umschreiten kann. Aber warum? Hier, wie in vielen Situationen, liegt das Geheimnis in den Kommunikationswegen. In einer Stadt dieser Größe – das kann jeder bestätigen, der in einer Kleinstadt lebt – kennt im übertragenen Sinne jeder jeden. Die Senatoren der griechischen Stadtstaaten kannten so viele Bürger persönlich – und umgekehrt diese die Senatoren –, dass eine von Senatoren mehrheitlich getroffene Entscheidung in der Tat in den meisten Fällen der Mehrheitsentscheidung aller Bürger entsprach. Das fatale an diesem Konzept ist, dass es sich nicht skalieren lässt. Das Demokratiekonzept war nie für das Regieren eines Landes mit mehr als 82 Millionen Menschen gedacht, was uns genau die Probleme aufzeigt, die wir täglich erleben. Wahlen sind nichts anderes als Werbeveranstaltungen, bei denen die, die über die meisten Mittel verfügen, große Siegeschancen haben. Das sind in der Regel die Parteien, die wirtschaftlich orientierte Entscheidungen bevorzugen und daher ihr Wahl-Budget aus entsprechenden finanziellen Zuwendungen aufzubessern wissen. Wer die Plakate der Parteien vor einer Wahl betrachtet, sieht sehr genau, dass die der Wirtschaft zugetanen Parteien etwa vier Mal so große und mindestens fünf Mal so viele Plakate aufhängen wie ihre Kontrahenten. Die Bürger erleben hier den Werbeeffekt, den schon Gustav le Bon in seiner Psychologie der Massen 1896 zu beschreiben wusste: Das Prinzip der Behauptung und Wiederholung. Er schreibt hierzu: “Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie. Die religiösen Schriften und die Gesetzbücher aller Zeiten haben sich stets einfacher Behauptungen bedient (...) die Behauptung hat aber nur dann wirklich Einfluß, wenn sie ständig wiederholt wird, und zwar möglichst mit denselben Ausdrücken (...) Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, daß es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird (...) Nach einiger Zeit, wenn wir vergessen haben, wer der Urheber der wiederholten Behauptung ist, glauben wir schließlich daran.“

Eine Behauptung wird so oft gezeigt und wiederholt, bis sie auch dem letzten bekannt und daher richtig vorkommt. Dass dieselbe Partei, die nun für Einheit, Demokratie und Kompetenz wirbt, sich in der eben erst abge-schlossenen Legislaturperiode als äußerst uneins mit dem Volk – mit der Wirtschaft hingegen schon –, undemokratisch und über die Maßen inkompetent gezeigt hat, verdrängt der Wähler in diesen Momenten. Vielleicht haben sie inzwischen ja auch aus ihren Fehlern gelernt. Hat nicht jeder eine zweite Chance verdient? Dass es sich gar nicht um Fehler, sondern um glasklare Interessen handelt, kann und will der Wähler nicht sehen. Die 2010 in Deutschland in Gang geratene Debatte um direkte Demokratie und die verzweifelten Versuche der Politiker, eben diese zu verhindern, zeigt deutlich, dass wir unsere so genannten Volksvertreter nicht nur nicht kennen, sondern dass diese auch alles dafür tun, damit sich an diesem Zustand nichts ändert. Aber dennoch ist eine Demokratie zweifellos die beste Regierungsform, die wir zurzeit kennen. Ephraim Kishon formulierte es so: "Wenn man sie wörtlich nimmt, dann ist die Demokratie eine Staatsform durch das Volk und für das Volk, mit Ausnahme der Volksdemokratien, die prinzipiell gegen das Volk sind. In unserer westlichen Welt ist die Demokratie jedoch, wenn ich mich elegant ausdrücken darf, das am wenigsten schlechte politische System, oder das schlechteste beste."

Thema dieses Buches ist nun nicht, die Demokratie zu reformieren. Aber es ist Gegenstand dieses Buches, ihre Mechanismen aufzuzeigen sowie begreiflich zu machen und daraus abzuleiten, warum es unerlässlich ist, von ihnen losgelöste Entscheidungen zu treffen. Wir werden vielen Fakten unserer heutigen Realität begegnen, die deren Absurdität aufzeigen und die Gründe für diese Entwicklung analysieren. Darüber hinaus werden uns Zahlen rund um das Thema Energie und Rohstoffe begegnen, die aufzeigen, welches Ausmaß diese Entwicklung bereits angenommen hat und warum es unabdingbar ist, einen anderen Kurs einzuschlagen. Wir werden auch sehen, welche Auswirkungen diese von uns gestaltete Welt auf uns selbst hat und welche entwicklungspsychologischen Gründe den Boden für diesen fatalen Irrweg bereitet haben. Nach der Analyse kommen zunächst konkrete Verbesserungsvorschläge, die zum Nachmachen animieren sollen, gefolgt von Beispielen, die nicht nur zeigen, dass wirkliche Veränderungen möglich sind, sondern dass solche mutigen Vorstöße durch unglaubliche Erfolge belohnt werden. Das Buch nimmt den unterneh-merischen Kontext besonders in den Fokus, liefert aber auch viele Informationen und Anregungen für jeden Einzelnen. Der Grund für die Konzentration auf den unternehmerischen Kontext ist, dass Unternehmen – wenn sie die Bereitschaft zu einem Wandel entdecken – sofort einen Multiplikator-Effekt erzeugen.

Unternehmen sind auch Konsumenten – in großem Stil. Nur, wenn wir als Konsumenten, ob als mündige Bürger oder als Unternehmen, die Verantwortung der Art unseres Konsumierens entdecken und in vollem Umfang übernehmen, können wir den Markt von morgen konstruktiv gestalten und falsche, politische Entscheidungen gegenstandslos machen. Jeder mündige Bürger und Unternehmer handelt ohnehin immanent politisch, wenn er konsumiert – ob er will oder nicht. Wenn er nicht politisch sein will und unreflektiert gemäß tradierten Werten handelt, ist dieses Handeln unweigerlich konservativ politisch bestimmt. Das heißt, es gibt kein unpolitisches Handeln, denn mit seinen Handlungen trifft auch dieser Konsument Entscheidungen, die die gesellschaftliche und politische Realität von heute und morgen beeinflussen. Für Unternehmen heißt das, dass sie sich im Zweifel neu ausrichten müssen. Aber die Wirtschaft kommt ohnehin nicht an der Notwendigkeit vorbei, sich neu zu orientieren. Wer an Vorhandenem festhält, wird untergehen. Selbst wenn es kurzfristig den Anschein macht, dass dieses Festhalten erfolgreich ist. Die letzte, beziehungsweise die sich bereits neu ankündigende Krise und stetig kürzer werdende Abstände zwischen ihnen zeigen immer unmissverständlicher, dass es aus dieser Spirale nur den Ausweg in Richtung Umdenken gibt. Umdenken, das aus dem immer größer und immer mehr herausführen muss. Sowohl die Unternehmensgröße, als auch die Unternehmensform sind entsprechend einen Blick wert. Aber warum ist die Unternehmensgröße wichtig?

Karl Marx hat seinerzeit bereits sehr richtig erkannt, dass ein Unternehmen nie größer sein dürfe, als dass es im Kopf eines einzigen Menschen abgebildet werden kann. Das hat, wie bei Platons Beschreibung der maximalen Größe einer Stadt, mit der Kürze der Kommunikationswege zu tun, aber auch damit, die Ereignisse im Unternehmen nicht aus dem Blick zu verlieren – was betont nicht Kontrolle ausüben meint. Das trifft auf die großen, multinationalen, global aufgestellten Unternehmen allerdings in keiner Weise mehr zu. Und so verwundert es auch nicht – wie im Korruptionsskandal um Siemens der Jahre 2007 bis 2011 –, wenn sich Unternehmensbereiche verselbstständigen und Entscheidungen getroffen werden können, von denen der Vorstand nichts weiß (oder zumindest nicht nachweisbar vorgab, nichts gewusst zu haben). Darüber hinaus ist jeder Gang an die Börse nicht nur ein Verkauf des Unternehmens auf Raten – es ist vor allem die Abgabe der Autonomie und der Möglichkeit, Entscheidungen uneingeschränkt selbst treffen zu können. Ein Unternehmen, das diesen Schritt gegangen ist, macht sich zum Sklaven des Shareholder Value. Viele Eigentümer, die rein renditeorientiert entscheiden. Das mag auf den ersten Blick vielleicht noch demokratisierend wirken, gibt aber auf den zweiten Blick Menschen Einfluss auf die Entscheidungen eines Unternehmens, die fachlich keinerlei Kompetenzen besitzen müssen.

Können Aktionäre fachlich entscheiden, ob Waffentechniken ethisch verantwortet werden können (falls das überhaupt möglich ist), Chemotherapien den Patienten nicht einfach nur langsam und qualvoll töten oder andere Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens und seiner Kunden getroffen werden, nur weil sie dessen Aktien besitzen? Vielleicht gibt es den ein oder anderen unter ihnen. Aber in dem Heer der Investment-Banker und Privataktionäre sind das, wenn überhaupt, nur Ausnahmen. Welcher Fonds-Manager interessiert sich für die Firmen, deren Aktien er in seinem Fonds verwaltet? Ist es relevant, womit diese Firma ihr Geld macht, solange sie Renditen abwirft?

Das Ziel des Aktionärs ist ganz klar das schnelle Geld. Je mehr, je besser. Natürlich gibt es auch hier in Entscheidungsphasen, wenn über die weiteren Strategien des einzelnen Unternehmens auf Aktionärsversammlungen abgestimmt wird, effektive Manipulationsmöglichkeiten. Denn die Aktionäre eines Konzerns funktionieren, bis auf die ganz Großen unter ihnen, nur unwesentlich anders als die Wähler einer Demokratie. Auch hier gewinnt die beste (Des-) Informations- oder besser Manipulationspolitik. Gegebenheiten wie diese zählen zu den großen Herausforderungen, denen wir in diesem Buch begegnen. Anhand exemplarischer Bereiche wird aufgezeigt, wie häufig Entscheidungen getroffen werden, deren weitreichende Konsequenzen auf den ersten Blick für die allermeisten überhaupt nicht sichtbar sind. Schließlich wird klar dargestellt, wie durch mutiges, verantwortliches Handeln die Folgeketten unserer Entscheidungen verändert oder sogar vermieden werden können – nicht als hypothetisches Theoretisieren, sondern anhand von Beispielen aus der Praxis.

Der zweite Begriff, um an die durch politeia eingeleitete Erklärung, warum es keine politischen Lösungen geben wird, anzuknüpfen, ist das griechische Wort Diplomat. Es bedeutet Doppelauge und zeigt damit klar, dass ein Diplomat – also das, was wir heute allgemein Politiker nennen – gar keine eigene Position haben darf. Vielmehr verrichten die offiziellen Politikvertreter genau das, wozu sie da sind: Sie verwalten Interessen. Vor allem Lobby-Interessen. Das ist nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass der Staat seine immense Verschuldung durch Kredite der Hochfinanz schultert. Ein Unternehmen in Frankfurt am Main tut den ganzen Tag nichts anderes, als Geld für den Staat aufzunehmen und hierfür die besten Konditionen zu ermitteln. Die Banken überschlagen sich förmlich mit ihren Angeboten. Der Staat ist als Kreditnehmer außerordentlich attraktiv. Ganz sicher vor allem, weil die Banken sich dem Staat aus ehrbaren Gründen verpflichtet fühlen und helfen wollen. Wir wissen alle, wie sozial und menschenfreundlich die Banken der Hochfinanz sind.

Aber dennoch ist einzusehen, dass sie – neben den exorbitanten, jährlich wachsenden Zinsen aus Steuergeldern, mit denen der Bürger diese Industrie indirekt subventioniert – auch andere Zuwendungen wünschen und auch bekommen. Zum Beispiel Entscheidungen, die ihnen keine Schwierigkeiten oder sogar den Weg frei machen – für neue Geschäfte etwa. Entsprechend sind unsere Politiker sehr dankbar für die helfende Unterstützung dieser gut geschulten Lobbyisten und der führenden Beratungsunternehmen.

Das alles ist nur allzu verständlich, denn die Lobbyisten sorgen erst dafür, dass die Politiker auf die jeweiligen Posten kommen und helfen ihnen dann hinterher, ihre Aufgabe zu erfüllen. Dahinter können nur noble Motive stehen. Die Konsequenz, die aus dieser Situation entsteht ist, dass eine echte und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Veränderung nur von Innovatoren kommen kann, die den Mut haben, sich aus dem herrschenden Paradigma heraus zu entwickeln, es sich wert sind, anders zu denken und zu handeln. Innovatoren aus der Wirtschaft. Innovatoren, die nicht nur auf das nächste Quartalsergebnis hinarbeiten, sondern mittel- und langfristig ausgerichtet sind. Kein Mensch kann ernsthaft erwarten, dass politische Vertreter gegen die Intensionen der sie hilfreich unterstützenden Kräfte aus der konservativen Wirtschaft Entscheidungen treffen, die diesen schaden und sie Marktanteile kosten könnten. Eine Hand wäscht die andere. Und es wäscht bekanntlich die Hand am besten, die am meisten mit Kapital geschmiert ist. Man kann es ihnen nicht verübeln. Immerhin läuft dieses Spiel schon einige hundert Jahre sehr erfolgreich. Veränderungen sind also die Sache einiger weniger mutiger. Menschen, die sich nicht scheuen gegen den Strom zu schwimmen und an ihren eigenen Kopf sowie ihr eigenes Herz zu glauben bereit sind. Der Sieg gehört den Mutigen heißt es im Volksmund. Und in der Tat warten auf die, die nun bereit sind die Dinge anders zu machen, aufregende Pionierarbeit und, nach Ablauf der Investitionszeiträume, satte Profite, ohne dabei irgendwen ausbeuten zu müssen.

Das macht, neben all den anderen Vorzügen, auf die wir noch hinreichend zu sprechen kommen werden, riesig viel Spaß! Es ist ein schönes Gefühl, sich aus dem Sog der Konformität zu lösen und anzufangen, die Schritte, die wir gehen, nicht nur zu gehen, weil man das halt so macht, sondern weil wir das so für richtig halten – aus ganzem, freiem Herzen. Es macht ungeheuer stolz die aufrichtige Entscheidung zu treffen: "Ich brauche keinen Porsche (mehr), weil ich mich mit meinem Fahrrad viel besser fühle und das Leben viel intensiver ist, wenn ich es mit mehr Sinnen erleben kann." Egal, was mein Konkurrent, mein Nachbar oder meine Frau denkt. Wobei das natürlich nur ein exemplarisches Beispiel sein kann – ganz sicher kein "wir-müssen-das-jetzt-alle-so-machen"-Diktat. Zumal... spätestens, wenn die Ehefrau damit ein Problem hat, werden die Dinge kompliziert.

Da aber die ständige Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex und dessen fortwährende Weiterentwicklung immer wieder gezeigt hat, dass es inzwischen einige brillante Analysen unserer Situation, aber keine praxistauglichen Herangehensweisen gibt, ist nun die Zeit reif für dieses Buch

 

Celleschen Zeitung:

"Ökonomische und ökologische Krisen gehören zu dieser Zeit und bewegen zu einer grundlegenden Zäsur des aktuellen Lebens- und Wirtschaftsstils. Tag für Tag scheint uns die Welt mit ihrer Komplexität mehr zu überfordern. Dabei ist sie kein großes Missverständnis oder gar das Ergebnis einer Verstrickung von Zufällen. Viel mehr ist sie das Ergebnis der heutigen Gese llschaft. Basierend auf Theorien und Texten von Déscartes und Darwin erzählt „Ökolutuion 4.0“ von fehlentwickelten Menschen und rücksichtsloser Ausbeutung von Mensch und Natur. Dabei hat Oliver Rückemann vor allem ein Anliegen, nämlich deutlich zu machen, dass eine „Ökolution“ realisierbar sein kann und dass diese mögliche Realisierung darüber entscheiden könnte, welche Zukunft der Menschheit offen steht. Ein gesellschaftskritisches Buch, in dem viele Gedanken gebündelt werden."

 

Oekonews.at:

"Es ist Zeit für Änderungen: Ökonomische und ökologische Krisen bringen und dazu, unseren Lebensstil und die Art, wie wir wirtschaften, grundlegend zu überdenken. Wohlstand oder Geld macht nicht glücklich - unsere Zivilisation geht in eine Sackgasse, wenn wir weitermachen wie bisher. Die Wirtschaftskrise und die Europrobleme, das Unglück in Fukushima und mehr zeigen die Probleme immer mehr auf.

Ist unsere Konsumwelt wirklich eine Weiterentwicklung? Was ist wirklich Profit für den Einzelnen? Wer sind die wahren Verlierer? Es gibt andere Wege, in die wir in Zukunft gehen können.

Ökolution 4.0 ist leicht lesbar und liefert dennoch eine immense Fülle an Hintergrunddaten, die umfassende Zusammenhänge gut analysiert aufzeigen.

Immer mehr Menschen sind mit der heutigen, überaus komplexen Welt überfordert! Ein schockierendes Ergebnis der heutigen Gesellschaft.
Aufbauend auf Theorien und Thesen, die von Déscartes über Darwin bis zu Hermann Scheer reichen, bringt „Ökolutuion 4.0“ vieles auf den Punkt. Eine rücksichtslose Ausbeutung von Mensch und Natur genauso wie viele falsche Wege der Konsumgesellschaft. Oliver Rückemann zeigt aber nicht nur die Probleme, sondern er scheint persönlich davon überzeugt, dass eine „Ökolution“ in vielen Bereiche realisierbar ist. Erneuerbare Energien, Rohstoffe, Überfluss, Körper und Seele, Entscheidung Nachhaltigkeit und mehr stehen im Zentrum der einzelnen Kapitel.

Fazit; Ein Buch das aufrüttelt, Probleme und deren Lösungen aufzeigt. Und gleichzeitig davon überzeugt: Wir haben die Wahl! Absolut lesenswert!!"

Buch
Erstauflage 2011
Formfaktor Recycling-Karton, Recyclingpapier, earth Colors (auf Erd- und Eisenbasis)
ISBN 978-3-942402-04-0
Umfang 352
M.M. on 10-04-2019 01:50 PM
Auch wenn das Buch bereits 2011 erschienen ist, so ist es doch auch heute noch sehr aktuell.
Die Zukunft der Erde birgt viele Probleme, die der Mensch möglichst schnell lösen könnte und müsste. Warum nimmt er dennoch lieber den eigenen Untergang in Kauf, als auf gewisse „Annehmlichkeiten“ zu verzichten oder die Probleme anzugehen??
Oliver R. zeigt auf, warum der Mensch mehrheitlich so ist, wie er ist, welche Kräfte und Zusammenhänge ihr oft zerstörerisches Werk leisten. Warum verhält sich der Mensch meist zugunsten der Bequemlichkeit wider jede Vernunft? Warum (er-) findet er immer wieder fadenscheinige Rechtfertigungen, um die Realität zu leugnen?
Der Autor benennt schonungslos und offen Gründe, wie und warum dieses Dilemma, in dem die Menschheit sich befindet, entstehen konnte, aber auch, was jede(r) dagegen tun kann. Insofern macht das Buch auch Mut.
Für alle eine „Pflichtlektüre“, die sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben.



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